Es darf nur mit Vertrag geerntet werden, weil durch unkontrollierte Mengen der Preis in Gefahr ist
Die Rund- und Schnittholzpreise, sowie die Preise für weiterverarbeitete Produkte, sind angebotsgetrieben. Das bedeutet, dass deren Wert durch den Mangel an Rohstoff und nicht aufgrund einer gestiegenen Nachfrage entstanden ist. Wenn in dieser Situation unkontrollierte Mengen an Holz auf den Markt strömen, wird das Gleichgewicht gestört. Daher gilt auch für diesen Herbst: Vertragliche Absicherung ist Pflicht!
Preisanstieg flacht ab
Die Preise der letzten Monate wurden wie im Frühjahr durch das geringe Rohholzangebot bestimmt und waren nicht ausschließlich ein Resultat einer wirtschaftlichen Verbesserung. Mögliche Ursache für den geringer werdenden Preisanstieg der letzten Zeit ist der zunehmende Holzeinschlag im Bauernwald, der mehr Rohholz auf die Märkte fließen lässt. In den Frühjahrsmonaten wurde die Grundversorgung der Sägewerke durch die mittleren und großen Forstbetriebe gesichert. Eine Erhöhung der Einschlagsaktivitäten im Bauernwald ist seit Anfang August erkennbar. Sowohl in den schwachen, als auch stärkeren Dimensionen wurde zunehmend mehr geerntet. Starker Einschlag wurde in der nördlichen Steiermark gemeldet, während in den süd- östlichen Regionen eine unverändert geringe bis mittlere Aktivität verzeichnet wurde. Die Nachfrage von Seiten der Sägeindustrie ist seit Juli gleichbleibend stark und ihre Bevorratung hat sich geringfügig verbessert. Durch die urlaubsbedingten Betriebsstillstände wurden die Rundholzlager von durchschnittlich 1,8 Monatsproduktionen im Mai, auf 2,1 Monatsproduktionen im August aufgestockt.
Konjunkturentwicklung
Insgesamt hat sich die Stimmung in der Holzwirtschaft seit Winterende verbessert. Während im April noch die Rede von einer europaweiten Flaute in der Bauwirtschaft war, verbesserten sich die Absatzmöglichkeiten für die Schnittholzprodukte in den vergangenen Monaten. In Japan, dem zweitgrößten Abnehmer von österreichischem Brettschichtholz, erholt sich die Baubranche. Italien als größter Importeur heimischen Schnittholzes lässt wenig Euphorie aufkommen, da die für den Herbst geplanten staatlichen Bauförderungen mangels Finanzierung nicht umgesetzt werden. Auch der amerikanische und chinesische Markt entwickelten sich schleppend. Aufgrund der engen Verflechtung der europäischen und amerikanischen Märkte ist mit einer indirekten Abbremsung der europäischen Konjunktur zu rechnen.
Import gestiegen
Die Entwicklungen der regionalen Rohholzpreise wirkten sich auch auf den Rundholzimport aus. Um den Rohstoffmangel auszugleichen und höhere Gewinne, wurde im Ausland gekauft. Im ersten Quartal dieses Jahres wurde 19 Prozent mehr Rundholz als 2009 importiert. Die größten Mengen flossen aus Tschechien, Deutschland und der Slowakei zu. Im Vergleich zum Jahr 2009 lieferten Tschechien 10 Prozent, Deutschland neun Prozent und die Slowakei 93 Prozent mehr Nadelrundholz. Wegen der günstigen Konditionen bezogen die österreichischen Säger zunehmend Kontingente aus der Ukraine, Russland und Polen.
Usancengerecht aufarbeiten
Zwischen den Forstbetrieben und der nachgelagerten Wertschöpfungskette haben sich für alle Seiten auskömmliche Preise etabliert. Es besteht die Gefahr des Preisverfalls wenn plötzlich überdurchschnittlich viel Kalamitätsholz auf den Markt kommt. Man sollte daher großen Wert auf vertragliche Sicherheit legen und nach den Vorgaben der Holzhandelsusancen aufarbeiten.
Henning Fleßner
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